Gern zu Gast …

CC Cosmic Religion zu Gast

in Gotteshäusern und Tempeln der Welt

Dieser Hype, wenn Religionsoberhäupter Gotteshäuser anderer Religionen besuchen! Die Nachrichten überschlagen sich, wenn zum ersten Mal ein Papst eine Synagoge oder eine Moschee betritt, wenn Religionsführer - Führerinnen gibt es so gut wie keine! - sich mit Oberen anderer Konfessionen oder Religionen treffen…

Solche Meldungen führen uns vor Augen, wie sehr sich Cosmic Religion-Freunde von obrigkeitshörigen Religionen entfernt haben!

Denn es ist eine Selbstverständlichkeit, dass man in der eigenen Heimat als auch auf Reisen in der großen weiten Welt die Heiligtümer der Menschheit besucht.

In Tempeln, Kirchen, Synagogen, Moscheen können wir die Kultur eines Volkes, eines Erdteils, ja schließlich grade durch ihre Vielfalt der ganzen Menschheitsfamilie spüren.

Manches mag ungewohnt sein, und nicht alles braucht uns zu gefallen. Aber mit offenen Augen und Sinnen durch die Welt gehen ist allemal besser als das „Andere“ nicht sehen wollen

Gerade heilige Stätten fremder Kulturen machen einen aufgeschlossenen Geist aufmerksam auf die jeweils verschiedenen Formen der Ehrfurcht vor dem, was andere für wichtig erachten, was die einen Gott nennen, andere Jahwe oder Allah oder Manitou oder Brahman oder Weltengeist oder Wunder des Lebens…

Auch glaubensferne Menschen können dies spüren. Ich gehe sogar so weit, dass man ein Land, eine Kultur nicht kennen gelernt hat, wenn man nicht auch seine Heiligtümer besichtigt und gewürdigt hat.

Das gilt auch für Religionshasser. Denn auch diese müssen zugeben: man kann eine Kultur nur verstehen, wenn man auch ihren „geistigen Überbau“ versteht.

Deswegen plädiere ich für ein möglichst entspanntes Verhältnis zu den Religionen.

Ein entspanntes Verhältnis trägt eher zum Frieden bei als Gegnerschaft und Hass.

Religionen kämpften und kämpfen seit jeher gegeneinander, wollten zumindest beweisen, dass sie selbst die bessere Religion sei.

In ähnlicher Weise: Religionsgegner wollten beweisen, dass die Welt ohne Religion besser sei. Das Ergebnis: Auch die Gegner der Religion mischten schließlich mit beim großen millionenweisen Massakrieren von Denkfeinden, in Russland und in China.

Wir dürfen und müssen heute unseren Verstand einschalten, dürfen denken und sagen, was uns an Religionen und Weltanschauungen gefällt oder missfällt.

Als kritischer Beobachter kann man oft erkennen: Die Menschen an der Basis haben oft einen klareren Kopf als die Führer! Sie sind nicht mehr die dummen Schafe, die geführt werden

müssen. Die so genannten Schäfer sind oft blind, zumindest interessengeleitet und deshalb nicht neutral und objektiv.

Befreunden wir uns mit Menschen anderer Religionen und Weltanschauungen!

Begegnen wir anderen Anschauungen mit Interesse und Respekt! Lernen wir andere Kulturen und ihre Formensprache kennen! Betreten wir, wenn sich die Gelegenheit ergibt, gerne andere Welten!

Während des Studiums der Theologie und Philosophie und natürlich auch danach war es für mich selbstverständlich, dass ich mich für andere Religionen interessierte und gern Häuser anderer Religionsgemeinschaften betrat, und dies setzte sich natürlich im späteren Leben bis heute fort: Ich bin glücklich, dass ich Kirchen anderer Konfessionen besuchen konnte, Synagogen oder Moscheen in Europa, im Nahen Osten oder Amerika, Tempel asiatischer Religionen in Indien und China.

Immer weniger begreiflich wurde für mich, dass Religionsoberhäupter dies bisher kaum geschafft haben, bedingt durch Vorurteile und oft genug auch Freund-Feind-Denken.

Mittlerweile hat sich viel geändert. Konfessionen arbeiten heute lieber zusammen als gegeneinander, Der Dialog der „Abrahamitischen Religionen“, nämlich Judentum, Christentum und Islam, wird voran getrieben, und es gibt bereits religionsübergreifende Zusammenarbeit mit den fernöstlichen Religionen Hinduismus und Buddhismus.

Ich bin froh um jeden Religions-Oberen, der diese Borniertheit durchbricht, sei es der Dalai Lama oder der Papst oder ein anglikanischer oder russisch orthodoxer Bischof oder ein hinduistischer oder islamischer Geistlicher.

Aber: Nicht nur religions-übergreifend, sondern auch weltanschauungs-übergreifend möge man sich kennen und schätzen lernen!

Dem überzeugten Atheisten schadet es nicht, einen Tempel oder eine Kirche zu besuchen, und dem überzeugten Religions-Anhänger schadet es nicht, wenn er über seinen Schatten springt und eine Veranstaltung der Giordano-Bruno-Stiftung besucht oder ein Buch von Richard Dawkins liest…

Ein weltoffener Geist sollte immer beide Seiten anhören, in der mitmenschlichen Diskussion im Kleinen als auch in der weltanschaulichen und politischen Diskussion im Großen!

Nur wenn wir aufeinander hören, miteinander reden, können wir die Gefahr der aggressiven Auseinandersetzungen bannen.

Aus diesem Grund gilt für mich: Ich fühle mich eingeladen in jeder Religion, sofern sie Humanität und Frieden predigt und in die Tat umzusetzen versucht.

Ich lerne dann auch, dass innerhalb ein und derselben Religion widerstrebende Botschaften zu hören sind. Islam ist nicht Islam, Christentum nicht gleich Christentum. Glaubensgemeinschaften können sehr gegensätzlich sein.

Der Gradmesser, das Kriterium ist für mich, frei nach Goethe: Wie hältst Du´s mit der Humanitas? Wie hältst Du´s mit dem Frieden? Wie hältst Du´s mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau, der Gleichberechtigung von Rassen, Religionen, sexuellen Orientierungen?

Wenn ich hier Fortschritte oder zumindest Bemühungen sehe, habe ich keine Probleme, mich bei einer Feier in die Reihen der Gläubigen zu setzen, - sofern ich spüre, dass es ihnen recht ist.

Bei einer Zeremonie wie Hochzeit, Trauerfeier, Einweihung etc. ist es sogar ein Gebot der Höflichkeit und Mitmenschlichkeit, respektvoll dabei zu sein.

Ich fühle ich mich eingeladen, ein Fest mitzufeiern, auch wenn man nicht meine Sprache spricht, nicht meine Gebete spricht, nicht meine Lieder singt, nicht meine Musik spielt, nicht meine Bildersprache teilt…

Das macht es ja gerade interessant: Wie nähern sich andere dem, was wir mit Transzendenz bezeichnen? Beim Zuhören kann ich auch darüber reflektieren:

Was sagt mir zu? Was weniger?

Wo erlebe ich Nähe? Was ist mir sehr fremd?

Was würde ich lieber ganz anders ausdrücken?

Kürzlich hörte ich einen interessanten Spruch:

„Rede mit mir, - du wirst mir Mitmensch!

Singe mit mir, - du wirst mir Bruder und Schwester!“

Miteinander reden ist wichtig. Wir verstehen uns besser, wenn wir unsere Meinungen, Ansichten, auch gegensätzliche, besprechen.

Miteinander feiern, singen, essen bringt uns allerdings noch mehr zusammen. Diese Bindungsmöglichkeiten unter Menschen sollten wir nützen.

Ohne Zuhören gibt es keine Verständnis - und keinen Frieden, im Kleinen und im Großen. Wie wichtig ist es erst, meinen Mitmenschen zuzuhören, wenn sie mir sagen oder zeigen wollen, was ihnen wichtig, ja heilig ist!

Ich brauche ihre Meinung nicht zu teilen. Aber ich muss respektvoll zuhören können. Dann kann ich auch erwarten, dass man auch mir respektvoll zuhört, und dass man nach den Gesetzen der Ratio und der Fairness die strittigen Ansichten diskutiert.

Gegebenenfalls kommen wir zu dem Ergebnis: Ich teile Deine Ansicht nicht, aber ich kann dich verstehen! Lasst uns akzeptieren, dass wir in wichtigen Angelegenheiten der Politik, der Weltanschauung und Religion anderer Meinung sind. Let´s agree to disagree, wie die Engländer so schön sagen. Und lasst uns wiederum nach den Gesetzen der Fairness und den Geboten menschlicher Empathie und Gewaltfreiheit miteinander leben!

Diese reife Form ehrlicher Auseinandersetzung bringt uns weiter als jeder religiöse oder weltanschauliche Eifer. Selbst auf die Gefahr hin, dass die Mehrheit der Menschen diese reife Form nicht erreichen werden. Aber zumindest sollen die, die diesen übergreifend

mitmenschlichen und kosmischen Impuls verspüren, daran arbeiten und soweit möglich die Menschheit voranbringen, auch wenn die Bemühungen oft vergeblich sind. Der Wille gelte fürs Werk! Und es gilt ja auch: Nichts tun ist auch keine Lösung!

Es mag sich die Frage erheben: Was kann ein CosmicReligion-Freund einbringen? Wenn ich eingeladen wurde zu einer religiösen Feier in den Tempel, in eine Kirche, Synagoge, in eine Moschee, - wohin kann ich meine traditionell gläubigen Freunde einladen?

In diesem Fall sage ich gerne: Als Freund und Freundin der CosmicReligion betrachte ich den ganzen Kosmos als Tempel und Kirche.

Jeder Vortragssaal, jeder Musiksaal, jeder Veranstaltungssaal, jede Kunstausstellung, wo im Namen des Geistes und der Menschlichkeit Gedanken und Gefühle ausgedrückt werden, die auch nur einem Menschen wichtig sind, ist wichtig und heilig.

Ebenso gehe ich gerne in Gotteshäuser, die mir vertraut sind aus meiner Ursprungsreligion. Man kann nachspüren, was ich gut und wertvoll fand, und natürlich auch ausdrücken, was mir nicht zusagt.

Jede kleine Kapelle, jedes Tempelchen, kann Gotteshaus werden, erst recht jeder Berggipfel, jede Wiese, überall da wo Inspiration zum Guten und zum Frieden, zur Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit geschieht.

Indianer kannten keine Gotteshäuser. Gott oder Götter sperrt man nicht ein in Häuser, sagten sie den Weißen… Unsere Kulturen, von der Antike bis heute, haben dennoch Häuser gebaut, von kleinen Tempelchen bis hin zu großartigen Tempelbauten und Domen.

Wir haben dem SUMMUM BONUM, wie Thomas von Aquin mit philosophischen Worten das Höchste auszudrücken versucht, auf diese Weise Respekt entgegen gebracht, - von dem abgesehen, dass es immer auch Prestige-Objekte der Bauherren waren. Noch sinnvoller wäre es gewesen, im Sinne des „SUMMUM BONUM“, Frieden und Menschlichkeit walten zu lassen.

Nicht Gebäude sind entscheidend, sondern Gedanken und Handlungen im Sinne der Menschlichkeit. Dies kann überall sein. Freunde der Cosmic Religion brauchen keine eigenen Tempel und Kirchen. Deren gibt es genug. Man sollte sie mit Humanität füllen.

Es ist unsere Aufgabe, innerhalb bestehender Strukturen und Räumen für Menschlichkeit und Frieden zu wirken.

Wie Einstein zu Gast war bei verschiedenen Gemeinschaften, in Synagogen, Kirchen, Vortragssälen der Welt, so sehen wir auch heute immer wieder einen Platz, den es auszufüllen gilt mit den Grundsätzen einer weiten, weisen, reifen Religiosität im Sinne der Cosmic Religion.

Ein weiter Geist kann überall seinen direkten Draht zum SUMMUM BONUM finden, zu seiner Aufgabe im mitmenschlichen Handeln und im kosmischen Geschehen.

In diesem Sinne sind wir auch selber gerne Gastgeber wo immer wir sind.

Peter Heigl